Montag, 4. März 2013

Warum ist die Banane krumm?



Liebe Leser,

nach dem ich jetzt eine halbe Stunde lang meine ungebetenen Zimmergenossen – die Nashornkäfer – von meinem Zimmer ins Freie ausgesetzt habe, kann ich mich nun endlich meinem zweiten Blog-Eintrag widmen..

Wie ihr ja bereits schon wisst, befinde ich mich in der Class of Hope, einer lebenspraktischen Schule, die Menschen mit Behinderung u.a. dazu befähigen soll, sich selbst zu versorgen und den Alltag zu meistern. Der lebenspraktische Bezug stellt somit einen Schwerpunkt der Class of Hope dar. Um diesem auch gerecht zu werden, bedarf es einer gewissen Planung und Vorbereitung. Deshalb haben Dhammika und ich uns am vergangenen Dienstag Gedanken gemacht, welchen lebenspraktischen Bezug wir für die Woche schaffen könnten. Wir haben uns dann darauf geeinigt, dass wir am Mittwoch mit den Schülern den Zug von Galle nach Koggala nehmen, um dort in das MARTIN WICKRAMASINGHE MUSEUM zu gehen. 

Martin Wickramasinghe war einer der bedeutensten Schriftsteller Sri Lankas im 20. Jahrhundert. Sein Geburtshaus wurde vor einigen Jahren zu einem Museum und zeigt heute Originalmobiliar, Bilder und Kleidung Wickramasinghes. Außerdem gewährt das Museum auch einen Einblick in die Kultur und das Landleben früherer Zeiten Sri Lankas.

Für die meisten ist eine Zugfahrt keine Besonderheit und wird ohne große Überlegung bewältigt. Für die Schüler der Class of Hope war das aber ein besonderes Erlebnis. Sie mussten selbst ihre Zugtickets (handgestempelte Papp-Billets) am Schalter kaufen, diese abstempeln lassen und zum richtigen Bahnsteig finden. Die Lehrer und ich standen ihnen dabei natürlich zur Seite, aber haben versucht, so wenig Hilfestellung wie möglich zu geben, um auch dem angestrebten Ziel -  Hilfe zur Selbsthilfe - einen Schritt näher zu kommen. Der Kauf der Tickets und die Fahrt nach Koggala verlief problemlos. In Koggala angekommen, ging es dann zu Fuß in der prallen Mittagssonne zum Museumsgelände. Vor dem Eingang befanden sich ein paar Eisverkäufer, die uns sehr gelegen kamen:)                             
Nach der Museumsbesichtigung und einem Rundgang im Museumsgelände, haben wir uns einen schattigen Platz gesucht, um dort unser Lunch zu haben. Zurück ging es dann mit dem Bus und ein sehr heißer, sowie ereignisreicher Tag mit der Class of Hope endete.

Am Donnerstag habe ich den Schülern die Materialien, die ich im Auftrag von INGEAR bereits in Deutschland besorgt habe, an die Klasse übergeben. Dankbar und von einigen Materialien sichtlich angetan, nahmen die Schüler die mitgebrachten Perlen sowie Bänder zur Hand und gestalteten einige Halsketten. Einen Teil davon werden wir eventuell bei unserem nächsten Ausflug mitnehmen.
Geplant ist ein Ausflug zum Galle Fort, um einige der in den vergangenen Monaten hergestellten Arbeiten (z.B. Wallhangers, Schmuck und diverse Bastelarbeiten) zu verkaufen. Galle Fort eignet sich dafür besonders gut, da dort viele Touristen unterwegs und vielleicht eher bereit sind ein paar Rupees für die Arbeiten auszugeben.
Da es momentan in der Class of Hope etwas an Unterbringmöglichkeiten für Materialien, Instrumente etc. mangelt, haben Dhammika und ich letzte Woche einen Schrank gekauft, der wahrscheinlich morgen oder am Mittwoch geliefert wird.

Die wohl lustigsten Momente in der letzten Woche gab es beim Musik- und Tanzunterricht. Malki, die sowohl für den Tanz- als auch für den Computerunterricht zuständig ist, steckt die Schüler, aber auch alle anderen um sich herum mit ihrer Lebensfreude und Tanzkunst an. Und wie ich jetzt festgestellt habe ist die Dhammika nicht nur Direktorin der Class of Hope und super Köchin, sondern auch noch eine begnadete Musikerin, die insgesamt so um die 20 (!) Instrumente spielen kann.. 
Kein Wunder, dass der Musik- und Tanzunterricht bei solch ambitionierten Lehrerinnen besonders Spaß macht:)
Letzten Freitag habe ich zum ersten Mal die Kunstlehrerin kennengelernt. Sie heißt Ruwanti und legt großen Wert darauf, dass die Schüler nach Möglichkeit alles selber machen. Die aus Deutschland mitgebrachten Stoffmalfarben haben gleich am Freitag Verwendung gefunden. Die mitgebrachten Stofftaschen wurden bemalt und die Schüler haben sich sehr bemüht, die mit Bleistift vorgezeichneten Blumenmuster, in Farben ihrer Wahl auszumalen. 

In dieser Woche freue ich mich vor allem auf unseren geplanten Ausflug zum Galle Fort und bin schon gespannt, wie die Passanten auf die selbstgebastelten Arbeiten reagieren und hoffe, dass sich der eine oder andere Abnehmer dafür finden lässt..

 

Meine Freizeit verbringe ich meistens mit der Gastfamilie. Am Wochenende war ich mit Taraka, ihrem Baby und Malki beim Einkaufen in Galle. Zwar bin ich nicht fündig geworden, aber trotzdem hat es viel Spaß gemacht die Läden zu durchstöbern und häufig Auskunft über meine Herkunft, meinen Beruf und meinen Mann zu geben (nie verkehrt, wenn man als alleinreisende Frau in Sri Lanka behauptet, dass man verheiratet ist und der Ehemann bald nachkommen wird:). 
Außerdem durfte ich am Wochenende bei der Gartenarbeit mithelfen. Zum ersten Mal in meinem Leben habe ich Bananen geerntet. Ich wusste bis zum vergangenen Wochenende nicht, dass eine Bananenpflanze keinen Stamm besitzt. Was wir als Stamm wahrnehmen, sind in Wirklichkeit nur die Blätter, die sich während des Wachstums umeinander legen. Alle paar Tage bildet sich ein neues Blatt und bildet allmählich einen „Scheinstamm“. Nach ein paar Monaten bildet sich meist eine rote, nach unten hängende Blüte. Aus den Blüten entwickeln sich die Früchte. Die einzelnen Früchte wachsen zunächst wie die Blüte nach unten. Da sie sich aber an der Sonne orientieren, wenden sie sich während des Wachstums immer mehr zum Sonnenlicht, so dass sie krumm werden. Ich musste also erst nach Sri Lanka kommen, um endlich zu verstehen, warum die Banane krumm ist:)
Neben vielen Informationen über Bananen, habe ich auch etwas neues über die Ananas erfahren. Wer eine Ananas heranziehen möchte, der wirft beim nächsten Kauf einer Ananas den Blattschopf nicht weg, sondern pflanzt ihn am besten in ein mit vielen Kieselsteinen und Sanderde befülltes Tongefäß, stellt dieses an einen sonnigen und warmen Platz und schaut beim Gedeihen zu.. 
Meine gepflanzter Blattschopf steht nun auf dem Balkon und wird nach meiner zehntägigen Reise wohl schon etwas größer sein:)
Für mich heißt es nämlich am Freitag Rucksack packen (Regenschirm nicht vergessen, Sommerprasselregen am Start:), in den Zug steigen und zehn Tage lang ein paar andere Orte in Sri Lanka kennenlernen...

Da die Grillen gerade mal wieder in Höchstform zirpen, weiß ich, dass es langsam Zeit wird ins Bett zu gehen.
In diesem Sinne: 
Eine gute Nacht, liebe Grüße und auf dass für euch in Deutschland eeeendlich der Frühling einkehrt und ich euch bald wieder aus dem schönen Sri Lanka berichten kann!

Bis bald, Anne

P.S.: Sorry, aber irgendwie wollen meine Bilder nicht im Hochformat angezeigt werden..


Fotos: 

Ausflug nach Koggala


Ticketkauf am Schalter








Eisverkäufer







Übergabe der Materialien 


Holzperlenketten werden hergestellt



 

 Gesangs- und Tanzunterricht

Die ersten Spielversuche mit einem Harmonium

Der Musikprofi:)


Malki beim Tanzunterricht



 Kunstunterricht







Gartenarbeit bei der Gastfamilie


Premadasa und Dhammika


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Meine Freunde aus der Nachbarschaft, die sich wohl nicht so über den Regen gefreut haben wie ich:)

 

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