Montag, 1. Juli 2019

Life is what happens to you, while you’re making other plans.


Das hat John Lennon schon richtig erkannt, allerdings passiert das nicht immer im positiven Sinne…
Am Ostersonntag sind in Colombo, Negombo und Batticola acht Bomben in Kirchen und Hotels explodiert. Hierbei wurden mehr als 250 Menschen getötet.
Die Bevölkerung Sri Lankas stand unter Schock, da niemand in diesem buddhistisch dominierten Land mit islamistisch motivierten Terroranschlägen gerechnet hätte. Alle verfolgen entsetzt die Nachrichten. Die Folgen für alle sind verheerend.
Die ersten spürbaren Auswirkungen waren die menschenleeren Straßen und die gesperrten sozialen Medien. Die Regierung hatte Ausgangssperren verhängt, um die Bevölkerung vor möglichen weiteren Explosionen zu schützen. Die Verbreitung von falschen Informationen und der Entstehung von Panik sollte durch die gesperrten sozialen Medien verhindert werden.
Die Schulen wurden für die nächsten Wochen gesperrt. Auch Thillinis Unterkunft bei ihrer Universität wurde gesperrt, weshalb sie wieder bei ihren Eltern gewohnt hat. Vor der Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel wurde ausdrücklich gewarnt. Burkas wurden verboten. Touristen wurden von ihren Reiseunternehmen oder ihren Herkunftsländern zurückgeholt oder brachen ihren Urlaub freiwillig ab. Dies hatte besonders große Auswirkungen, da sehr viele Menschen finanziell vom Tourismus in Sri Lanka abhängig sind. Nach und nach wurden immer mehr Läden und Restaurants geschlossen, da die Kunden ausblieben. Die verbliebenen Händler waren gezwungen die vereinzelten verbliebenen Touristen anzubetteln etwas zu kaufen und verkauften ihre Ware dann weit unter ihrem Wert. Auch die Hotels blieben leer. Die Tuk Tuk Fahrer in den Touristengebieten, aber auch alle anderen Tuk Tuk Fahrer bekamen die Auswirkungen ebenfalls zu spüren und verbrachten ihre Tage, oft ohne auch nur eine Fahrt zu machen.
Natürlich habe ich auch direkt Anrufe und Nachrichten von Freunden und Familie in Deutschland bekommen, die in Sorge waren, da auch in den deutschen Medien über die Anschläge berichtet wurde. Was in den Nachrichten in Deutschland und denen in Sri Lanka gezeigt wird unterscheidet sich jedoch sehr. In Sri Lanka wird nichts von den Bildern gefiltert. Es werden Handyaufnahmen von den Momenten direkt nach den Explosionen gezeigt, auf denen das komplette Ausmaß mehr als bewusstwird. Auch politische Aspekte werden genauer beleuchtet. So zum Beispiel, dass die geplanten Anschläge dem Präsidenten und anderen Parlamentariern bekannt waren, sie jedoch keine Warnungen an die Bevölkerung abgegeben haben oder Sicherheitsvorkehrungen getroffen haben. Sie selbst haben jedoch aufgrund dieser Warnungen das Land verlassen oder sind den Kirchen fern geblieben. Oder, dass Bomben in einem Haus eines Politikers gebaut wurden, dieser nichts dagegen unternommen hat und nach dem Bekanntwerden immer noch in seinem Amt ohne Konsequenzen aktiv sein durfte.
Nach einigen Tagen, die wir nur Zuhause verbracht haben, haben wir uns doch dazu entschlossen, mit dem Tuk Tuk zum Strand zu fahren. Ein etwas mulmiges Gefühl hat uns immer begleitet, wobei eigentlich kein Grund zur Sorge bestand. Die Strände waren menschenleer, weshalb eigentlich kein Terrorist ein Interesse daran gehabt hätte, erneut Bomben an diesen Orten zu zünden. Des Weiteren war bis zu diesem Zeitpunkt in Galle nichts bekannt geworden, was mit den Anschlägen in Verbindung stand.
Gleichzeitig wurde der Druck von Zuhause jedoch größer. Alle Angehörigen waren in großer Sorge. Auch meine Hochschule wollte und musste weiterhin für meine Sicherheit garantieren, überließ mir jedoch die Entscheidung, wann dies nicht mehr der Fall ist und ich das Land verlassen sollte.
Für mich hat sich die gesamte Situation zugespitzt, als das Land zum ersten Mal in den Normalzustand zurückversetzt werden sollte. Die Schulen sollten wieder mit dem Unterricht beginnen, die Menschen sollten wieder zu ihrer Arbeit zurückkehren. Also sind Dhammika, Saheli und ich, wie sonst auch immer mit dem Bus zur Schule gefahren. Dieser war nun wieder voll mit Menschen, so auch die Straßen.  Die gesamte Busfahrt über hatte ich jedoch ein sehr beklemmendes Gefühl. Ich habe mir die Gesichter der Menschen angeguckt und mir ausgemalt, wer nun eine Bombe oder sonst etwas dabeihaben könnte. Später habe ich mit Dhammika darüber gesprochen und auch sie hatte dieses Gefühl. Wir beide wollten nicht mehr mit dem Bus unterwegs sein.
Zusätzlich habe ich am Abend erfahren, dass in Galle 1000 gefälschte Armyuniformen gefunden worden sind. Bei Hausdurchsuchungen wurden außerdem Unmengen an Schwertern, Messern und sonstigen Waffen gefunden. Auch in Moscheen und in Verstecken in der Nähe von Kirchen wurden Waffen gefunden. Diese Informationen und das beklemmende Gefühl am Morgen lösten bei mir Angst aus. Am nächsten Tag machte ich mich direkt mit dem Tuk Tuk auf den Weg nach Colombo um meinen Reisepass abzuholen. (Meine Tasche mit sämtlichen Dokumenten, darunter auch mein Reisepass wurde zuvor gestohlen. Ich habe bei der Botschaft einen neuen Pass beantragt, konnte jedoch aufgrund der Sicherheitslage diesen noch nicht in Colombo abholen.) Nachdem ich diese Angst verspürt habe, wollte ich die Möglichkeit haben zu gehen, wenn ich das möchte. Um diese Möglichkeit zu haben, musste ich allerdings zuerst im Besitz eines Passes sein.
Nach diesem Tag ging es mir erst einmal wieder etwas besser. Meine Familie war jedoch noch mehr in Sorge, als zuvor. Des Weiteren wurden erneut Neuigkeiten verbreitet, dass für die nächste Woche neue Anschläge geplant waren. Diese andauernden neuen Informationen machten mir immer mehr Angst. Wo ich zunächst vielleicht etwas naiv war und geglaubt habe die Situation beruhigt sich schnell wieder, musste ich nach und nach realisieren, dass die Situation in nächster Zeit angespannt bleiben wird und man nie weiß, was als nächstes passieren kann. Nun war ich in der Situation abzuwägen, ob ich dieses Gefühl die nächsten vier Monate weiter haben möchte.
Andererseits hatte ich ein unglaublich schlechtes Gewissen. Ich fand es total ungerecht die Möglichkeit im Vergleich zu den Einheimischen und meiner Gastfamilie zu haben, jederzeit gehen zu können, wann ich das möchte. Des Weiteren war die Miete, die ich an meine Gastfamilie bezahlte, eine große finanzielle Unterstützung, mit der sie bis Mitte August gerechnet haben. Ich hatte ein schlechtes Gewissen ihnen dies wieder zu nehmen. Auch die Schüler der Class of Hope rechneten mit mir, sobald die Schule wieder losgehen sollte. Ich hatte Angst, für meine Entscheidung in Sri Lanka und in Deutschland verurteilt zu werden und Menschen, die mir sehr wichtig geworden sind zu enttäuschen. Andererseits quälte ich Freunde und Familie Zuhause mit den Sorgen um mich. Egal welche Entscheidung ich treffen würde, mein Plan für mein halbes Jahr in Sri Lanka wäre durch die vielen Einschränkungen nicht aufgegangen. Doch ich musste eine Entscheidung treffen und ich hatte riesig Angst diese am Ende zu bereuen.
Es war eine wirklich unglaublich schwere Entscheidung, aber ich habe mich dazu entschlossen nach Deutschland zurück zu kehren. Hier werde ich nun mein Praxissemester zu Ende bringen.
Irgendwann, wenn sich die Lage in Sri Lanka wieder normalisiert hat, werde ich auf jeden Fall in dieses wunderschöne Land zurückkehren. Ich werde alle wunderschönen Orte erkunden, die ich noch nicht gesehen habe. Und vor allem werde ich die wundervollen Menschen, die mir trotz allem eine wunderschöne Zeit mit unvergesslichen Erinnerungen beschert haben, besuchen.

 
Viraj, Tharu, Asher und ich im Zug auf dem Weg nach Ella
 
 Tharu, Ich, Shivani, Asher, Saheli, Pavitra und Danush in einem überfüllten Tuk Tuk auf dem Weg zum Spielplatz
Zum Abschluss noch einmal ein Bild von der meiner tollen Gastfamilie. Ein großes Dankeschön für die schöne Zeit bei euch! Von links: Tharu, Premadasa, Dhammika, Thillini mit Asher, Saheli und ich…Viraj fehlt leider…

Happy New Year!!!


Leider etwas verspätet, aber hier noch ein paar Infos zum Neujahrsfest in der Class of Hope!

Wie im letzten Eintrag bereits erwähnt mussten zunächst Sponsoren für die Geschenke der Schüler und das Essen gefunden werden. Um ein paar zusätzliche Einnahmen zu bekommen haben wir außerdem zwei selling days organisiert.

Der erste war ziemlich spontan. Ich habe Eva und einige der Schüler beim Bewässern der Pflanzen im Garten der Class of Hope gesehen. Darunter auch Sätzlinge für Chilli- und Auberginenpflanzen. Ich fragte, was mit diesen Pflanzen passiert und fand heraus, dass diese verkauft werden. Also schlug ich vor dies direkt am selben Tag zu tun. Gesagt, getan! Salman wurde beauftragt den Tisch an die Straße zu stellen. Alle halfen die Pflanzen darauf bereit zu stellen, selbstgemachte Armbänder und Lesezeichen darauf zu verteilen. Und schon saßen alle aufgeregt bereit und warteten auf den ersten Kunden. Die Schüler wollten gar nicht zum frühstücken gehen, aus Angst etwas Wichtiges zu verpassen. Und so wurden die ganzen Pflanzen schneller verkauft als gedacht. Ein paar Armbänder wurden sogar auch verkauft. Allerdings waren die Einnahmen nicht so groß wie erhofft. Also wurde beschlossen, dass das Geld an Eva geht, mit der Aufgabe neue Samen zu besorgen, um beim nächsten Mal mehr Pflanzen verkaufen zu können.




Vorne links: Salman, der immer fleißig das Geld eingesammelt hat; Mitte: ich beim Einpacken der ersten verkauften Pflanze; Hinten rechts: unsere erste Kundin
Der zweite selling day war geplant. Wir wollten mit Armbändern und Lesezeichen bewaffnet an den Strand von Unawatuna fahren. Vaadis Vater war damit einverstanden, dass wir seinen Bus und seinen Fahrer zum Transport benutzten. Also machten sich zunächst Dhammika, Eva und ich mit den verkaufstüchtigeren Schülern auf den Weg. Der glühend heiße Sand unter unseren Füßen war jedoch nicht das einzige Problem, mit dem wir zu kämpfen hatten. Alle Leute, die wir angesprochen haben, reagierten abweisend oder mit der Ausrede, dass sie nicht gut Englisch sprechen. Niemand wollte unsere Armbänder und Lesezeichen auch nur ansehen. Also begannen wir die Preise direkt zu sagen und nicht abzuwarten, bis jemand nachfragte. Diese Strategie zeigte nach etwas Zeit Erfolg, da wir wirklich nicht viel Geld verlangt haben. Die Lesezeichen wurden für 20 Rupees (ca. 10 Cent) und die Armbänder für 50 Rupees (ca. 25 Cent) verkauft. Als die ersten Leute bereit waren uns etwas abzukaufen, kamen sogar Leute, die uns zuvor abgewiesen haben, hinterhergelaufen, um doch etwas zu kaufen. Vermutlich waren sie sich zuvor nicht sicher, ob sie uns vertrauen können. Ab diesem Zeitpunkt konnten wir so einiges verkaufen und viele Leute gaben sogar ein paar Spenden! Nach dem enttäuschenden Start war der Tag also doch ein Erfolgserlebnis für die Schüler!

Erfolgreicher selling day mit (von links) Salik, Mandeer, mir und einer britischen Familie eim Kaffee trinken in Unawatuna

Nach der erledigten Arbeit kam Mallika mit den restlichen Schülern zum Strand gefahren, damit alle den Tag dort genießen konnten. Allerdings scheuten sich die meisten bis zum Wasser zu gehen, da der Sand so heiß war, dass man sich die Füße daran verbrennen konnte. Insgesamt hatten jedoch alle einen guten und erfolgreichen Tag!


Und dann war es so weit. Der Tag der Neujahrs-Party war gekommen. Am Tag zuvor wurde schon einiges vorbereitet, geputzt und dekoriert. Trotzdem waren wir schon um 7 Uhr morgens in der Class of Hope um noch alles andere vorzubereiten. Die Lehrer und Mütter trugen Saris, die Schülerinnen trugen schöne Kleider und die Schüler trugen traditionelle…





Das Fest begann mit dem gemeinsamen Frühstück aller Schüler. Zu essen gab es reichlich! Danach würden die Sponsoren begrüßt und willkommen geheißen. Danach gab es Frühstück für sie und anschließend auch für die Eltern und Lehrer.

 

















 
Die Schüler der Class of Hope an der Frühstückstafel am Neujahrsfest
Das reichliche Neujahrsfrühstück am Tisch der Sponsoren, mit traditionellem Milchreis mit Sambol, Bananen, Crackern, Kuchen und vielem mehr…

Das Programm ging weiter mit den zuvor trainierten Spielen. Es gab auch ein Spiel, bei dem die Eltern ihre Talente unter Beweis stellen mussten. Als letztes stand das Überreichen der Geschenke auf dem Programm. Nach der Geschenkübergabe sind die meisten Gäste, Schüler und Eltern gegangen. Einige sind jedoch geblieben und haben beim Aufräumen geholfen.

Alles in allem war es ein sehr schöner und interessanter Tag! 
Von links: Dhammika, Hasini und Danushka übernahmen die Moderation des Tages

  
  Von links: Mandeer, der das Geschenk eines Sponsors (rechts) entgegennimmt; Im Hintergrund: Mallika 
Von hinten links: Sewwandi, Piyumi und ihr Bruder, Mallithi und Ranul; Von vorne links: Piyumi, Mallika und Mandeer
Beim traditionellen Milch kochen. Sie Bedeutung dahinter ist, wenn die Milch überschäumt, dann wird es ein gutes neues Jahr.