Samstag, 23. März 2013

Mit Harri läuft's einfach besser!

 
Liebe Leser,

am vergangenen Mittwoch sind die Class of Hope, einige Mütter der Schüler und ich früh am Morgen zum Galle Fort aufgebrochen, um wie bereits im letzten Eintrag erwähnt selbst hergestellte Arbeiten der Schüler zu verkaufen.
Zunächst ging es mit dem Bus nach Galle und dann zu Fuß weiter zum Galle Fort. Auf dem Weg dorthin haben wir es uns nicht nehmen lassen, einen kleinen Abstecher zum Strand zu machen und dort zumindest unseren Füßen eine kleine Abkühlung zu ermöglichen. Da es bereits schon in der Früh sehr heiß war, mussten wir uns ganz dringend einen schattigen Verkaufsplatz suchen, an dem viele Touristen vorbeikommen. Das war erstmal gar nicht so einfach, da es nicht allzu viele schattige Plätze am Galle Fort gibt und wenn wir dann einen gefunden haben, waren da meistens schon andere einheimische Verkäufer, denen wir natürlich nicht in die Quere kommen wollten. Nach einer Weile sind wir aber dann fündig geworden und haben einen schönen Platz unter einem alten Kottamba-Baum gefunden. Gemeinsam wurden dann die mitgebrachten Decken auf dem Boden verteilt und alle mitgebrachten Arbeiten (Wallhangers, Vasen, Untersetzer, Kissenüberzüge und Perlenketten) schön darauf drapiert und zuletzt noch die Preisschilder verteilt. Einem Verkauf stand also eigentlich nichts mehr im Weg.. Aber wo blieben nur die Käufer? Die erste halbe Stunde kamen nur gelegentlich ein paar Touristen vorbei, die aber mehr mit ihren Spiegelreflexkameras und guten Aufnahmen beschäftigt waren als uns etwas Aufmerksamkeit zu schenken. Wir mussten uns also eine Verkaufsstrategie überlegen. Deshalb haben wir den Spieß einfach umgedreht und den Touristen/Passanten Aufmerksamkeit geschenkt, indem wir sie direkt angesprochen und erzählt haben, wer wir sind, was wir machen und was wir erreichen wollen. Somit sind Ruwanti (Kunstlehrerin), Malki (Tanz,- und Computerlehrerin) und ich zu den Passanten gegangen und haben die Leute auf Englisch als auch Sinhala angesprochen. Nach und nach wurden immer mehr auf uns aufmerksam, sodass zeitweise sogar mehr Interessenten als Verkäufer an unserem Verkaufsplatz standen:)
Das Ergebnis konnte sich für den allerersten Verkaufstag überhaupt wirklich sehen lassen:
3 Wallhangers, 2 Perlenketten, 1 Vase und 1 Kissenüberzug konnten wir verkaufen.
Besonders schön war zu sehen, dass auch zwei Einheimische an den hergestellten Arbeiten interessiert waren und etwas gekauft haben. Außerdem zeigte sich anhand der vielen Fragen, die über INGEAR gestellt wurden, dass ein großes Interesse an der Organisation selbst besteht. Deshalb wäre mein Vorschlag, dass man für den nächsten Verkauf der Arbeiten INGEAR-Tüten bastelt, in die die gekauften Arbeiten gepackt werden können sowie auch INGEAR/Class of Hope-Flyer erstellt werden, um den Käufern genaue Informationen über die Arbeit der Class of Hope und INGEAR geben zu können.
Eine einheimische, ältere und herzensgute Dame, die bereits vorher schon etwas von uns kaufte, hat uns dann allen noch ein Eis spendiert und unseren Tag am Galle Fort perfekt abgerundet. Sehr zufrieden, aber auch von der Mittagshitze erschöpft haben wir uns gegen eins auf den Rückweg zur Schule gemacht. Dort angekommen gab es dann erstmal Lunch: das beliebte Rice and Curry:) Am Nachmittag wurden dann noch fleißig die Choreographien für das am nächsten Donnerstag anstehende Abschlussfest geübt.

Auch morgen steht ein ereignisreicher Tag an. Wir werden unseren Abschlussausflug machen. Mit dem Bus werden wir um sieben nach Colombo in den Zoo aufbrechen. Schon seit Tagen fiebern die Class of Hope und ich auf diesen Ausflug hin. Bin schon gespannt, welche Tiere wir zu Gesicht bekommen werden. Ziemlich sicher wird das ein lustiger Trip werden:)

Ansonsten schätze ich seit heute Leitungswasser mehr denn je. Einen halben Tag lang haben heute die Wasserleitungen nicht funktioniert. Das heißt, man konnte sich nicht duschen und auch nicht schnell mal sein Glas mit Wasser füllen, um etwas zu trinken. Für einige von uns wahrscheinlich unvorstellbar, hier aber immer wieder mal die Situation, dass es für mehrere Stunden kein fließend Wasser gibt. Meine Gastfamilie nimmt das sehr gelassen. Ich habe das Gefühl, dass auch ich hier immer gelassener werde. Denn ich bemerke, dass man mit Gelassenheit und einem „Harri Harri“ (heißt soviel wie OK/in Ordnung) einfach so viel weiter kommt..

Mit einer inneren Ruhe werde ich mich jetzt ins Bett begeben:)

Bis demnächst!
Anne


FOTOS

Auf dem Weg zum Galle Fort



Am Strand

Dilusha und Salik

unser Verkaufsplatz


Die ersten Käufer aus Frankreich




Die einheimischen Käufer




Unsere Eisspendiererin in der Mitte


Einüben der Choreographien



Lunchtime Rice and Curry

Montag, 18. März 2013

Viele Aktionen - auch im Dunkeln...


Liebe Leser,

nach einer zehntägigen Reise bin ich nun heute Morgen wieder zurückgekehrt und wurde freudig in Empfang genommen. Die Class of Hope und meine Gastfamilie machen es mir wirklich einfach, dass ich mich wohl fühle:)

Da mir leider nicht mehr allzu viel Zeit hier in Sri Lanka bleibt, steht nun für die nächsten zwei Wochen noch einiges auf dem Programm. Eigentlich wollten wir ja bereits schon vor zwei Wochen zum Galle Fort gehen und dort die selbstgemachten Wallhangers, Schmuck und Bilder verkaufen. Wir mussten aber noch ein paar Dinge dafür vorbereiten, wie zum Beispiel INGEAR-Sticker drucken lassen, um diese an die selbstgefertigten Arbeiten anzubringen, damit auch jeder Käufer weiß, wer eigentlich hinter den selbstgemachten Kunstwerken steckt. Deshalb geht es erst diese Woche, wahrscheinlich am Mittwoch, zum Galle Fort.
Außerdem steht diese Woche jeden Tag Tanz- und Musikunterricht auf dem Programm, da wir nächste Woche eine Feier haben werden und jeder einen kleinen Beitrag dazu leisten wird:)
Am Wochenende werden wir unseren Abschlussausflug machen. Wo es hingeht, steht im Moment noch nicht fest. Es soll auf jeden Fall ein erlebnisreicher, aber nicht zu anstrengender Tag für die Schüler werden.

Ansonsten ist die Woche vor meiner Reise der neue Schrank eingetroffen. Er dient jetzt als Ausstellungsschrank für die vielen bisher angefertigten Arbeiten. Bei der Platzsuche für den neuen Schrank ist uns aufgefallen, dass man vielleicht grundsätzlich die Möbel umstellen könnte, um mehr Platz zu gewinnen. Somit waren wir zwei Tage lang beschäftigt alles umzustellen, alle Materialien für Handarbeit, Kunstunterricht etc. neu zu ordnen und Bilder aufzuhängen. Diese große Umräum, Aufräum,- und Aufhängaktion hat sich gleich ein paar Tage später bezahlt gemacht. Ein Pärchen aus Norwegen hat die Class of Hope besucht und eines der Ausstellungsstücke gekauft:)
Außerdem sind wir in dieser Woche auf den Gemüsemarkt gegangen und haben alle Zutaten für eine Gemüsesuppe eingekauft. Vorab haben die Schüler Einkaufszettel erhalten und mussten dann auf dem Markt selbst das Gemüse einkaufen. Der Einkauf war auch mit einer kurzen Busfahrt verbunden bei der die Schüler selbst ihre Tickets gekauft haben. Nach dem Einkauf wurde die Suppe gemeinsam vorbereitet und gekocht. Die Suppe ist wirklich gelungen:)

Auch ich wollte meine Kochkünste in der Gastfamilie unter Beweis stellen und habe Spaghetti a la Anne gekocht. Normalerweise ist das Kochen von Spaghetti und einer guten Tomatensoße keine große Herausforderung für mich.. Normalerweise. In Sri Lanka läuft alles aber ein bisschen anders. Der Strom ist für mehrere Stunden ausgefallen und somit wurde das Kochen mit nur einer Taschenlampe und drei Kerzen zu einem herausfordernden, aber vor allem unvergesslichen Cooking and Dinner in the Dark..
Hier ist nun Zeit für Dinner. Es wird wohl Rice and Curry geben. Das Lieblingsgericht meiner Gastfamilie und mit großer Sicherheit auch das Lieblingsgericht der meisten Einheimischen in Sri Lanka.

In diesem Sinne: An guadn oder Enjoy your meal!
(auf Sinhala gibt’s keinen Terminus für Guten Appetit..)

Bis bald!
Anne




Bilder

Umräumaktion




























Ausflug zum Markt










Dinner in the Dark




Montag, 4. März 2013

Warum ist die Banane krumm?



Liebe Leser,

nach dem ich jetzt eine halbe Stunde lang meine ungebetenen Zimmergenossen – die Nashornkäfer – von meinem Zimmer ins Freie ausgesetzt habe, kann ich mich nun endlich meinem zweiten Blog-Eintrag widmen..

Wie ihr ja bereits schon wisst, befinde ich mich in der Class of Hope, einer lebenspraktischen Schule, die Menschen mit Behinderung u.a. dazu befähigen soll, sich selbst zu versorgen und den Alltag zu meistern. Der lebenspraktische Bezug stellt somit einen Schwerpunkt der Class of Hope dar. Um diesem auch gerecht zu werden, bedarf es einer gewissen Planung und Vorbereitung. Deshalb haben Dhammika und ich uns am vergangenen Dienstag Gedanken gemacht, welchen lebenspraktischen Bezug wir für die Woche schaffen könnten. Wir haben uns dann darauf geeinigt, dass wir am Mittwoch mit den Schülern den Zug von Galle nach Koggala nehmen, um dort in das MARTIN WICKRAMASINGHE MUSEUM zu gehen. 

Martin Wickramasinghe war einer der bedeutensten Schriftsteller Sri Lankas im 20. Jahrhundert. Sein Geburtshaus wurde vor einigen Jahren zu einem Museum und zeigt heute Originalmobiliar, Bilder und Kleidung Wickramasinghes. Außerdem gewährt das Museum auch einen Einblick in die Kultur und das Landleben früherer Zeiten Sri Lankas.

Für die meisten ist eine Zugfahrt keine Besonderheit und wird ohne große Überlegung bewältigt. Für die Schüler der Class of Hope war das aber ein besonderes Erlebnis. Sie mussten selbst ihre Zugtickets (handgestempelte Papp-Billets) am Schalter kaufen, diese abstempeln lassen und zum richtigen Bahnsteig finden. Die Lehrer und ich standen ihnen dabei natürlich zur Seite, aber haben versucht, so wenig Hilfestellung wie möglich zu geben, um auch dem angestrebten Ziel -  Hilfe zur Selbsthilfe - einen Schritt näher zu kommen. Der Kauf der Tickets und die Fahrt nach Koggala verlief problemlos. In Koggala angekommen, ging es dann zu Fuß in der prallen Mittagssonne zum Museumsgelände. Vor dem Eingang befanden sich ein paar Eisverkäufer, die uns sehr gelegen kamen:)                             
Nach der Museumsbesichtigung und einem Rundgang im Museumsgelände, haben wir uns einen schattigen Platz gesucht, um dort unser Lunch zu haben. Zurück ging es dann mit dem Bus und ein sehr heißer, sowie ereignisreicher Tag mit der Class of Hope endete.

Am Donnerstag habe ich den Schülern die Materialien, die ich im Auftrag von INGEAR bereits in Deutschland besorgt habe, an die Klasse übergeben. Dankbar und von einigen Materialien sichtlich angetan, nahmen die Schüler die mitgebrachten Perlen sowie Bänder zur Hand und gestalteten einige Halsketten. Einen Teil davon werden wir eventuell bei unserem nächsten Ausflug mitnehmen.
Geplant ist ein Ausflug zum Galle Fort, um einige der in den vergangenen Monaten hergestellten Arbeiten (z.B. Wallhangers, Schmuck und diverse Bastelarbeiten) zu verkaufen. Galle Fort eignet sich dafür besonders gut, da dort viele Touristen unterwegs und vielleicht eher bereit sind ein paar Rupees für die Arbeiten auszugeben.
Da es momentan in der Class of Hope etwas an Unterbringmöglichkeiten für Materialien, Instrumente etc. mangelt, haben Dhammika und ich letzte Woche einen Schrank gekauft, der wahrscheinlich morgen oder am Mittwoch geliefert wird.

Die wohl lustigsten Momente in der letzten Woche gab es beim Musik- und Tanzunterricht. Malki, die sowohl für den Tanz- als auch für den Computerunterricht zuständig ist, steckt die Schüler, aber auch alle anderen um sich herum mit ihrer Lebensfreude und Tanzkunst an. Und wie ich jetzt festgestellt habe ist die Dhammika nicht nur Direktorin der Class of Hope und super Köchin, sondern auch noch eine begnadete Musikerin, die insgesamt so um die 20 (!) Instrumente spielen kann.. 
Kein Wunder, dass der Musik- und Tanzunterricht bei solch ambitionierten Lehrerinnen besonders Spaß macht:)
Letzten Freitag habe ich zum ersten Mal die Kunstlehrerin kennengelernt. Sie heißt Ruwanti und legt großen Wert darauf, dass die Schüler nach Möglichkeit alles selber machen. Die aus Deutschland mitgebrachten Stoffmalfarben haben gleich am Freitag Verwendung gefunden. Die mitgebrachten Stofftaschen wurden bemalt und die Schüler haben sich sehr bemüht, die mit Bleistift vorgezeichneten Blumenmuster, in Farben ihrer Wahl auszumalen. 

In dieser Woche freue ich mich vor allem auf unseren geplanten Ausflug zum Galle Fort und bin schon gespannt, wie die Passanten auf die selbstgebastelten Arbeiten reagieren und hoffe, dass sich der eine oder andere Abnehmer dafür finden lässt..

 

Meine Freizeit verbringe ich meistens mit der Gastfamilie. Am Wochenende war ich mit Taraka, ihrem Baby und Malki beim Einkaufen in Galle. Zwar bin ich nicht fündig geworden, aber trotzdem hat es viel Spaß gemacht die Läden zu durchstöbern und häufig Auskunft über meine Herkunft, meinen Beruf und meinen Mann zu geben (nie verkehrt, wenn man als alleinreisende Frau in Sri Lanka behauptet, dass man verheiratet ist und der Ehemann bald nachkommen wird:). 
Außerdem durfte ich am Wochenende bei der Gartenarbeit mithelfen. Zum ersten Mal in meinem Leben habe ich Bananen geerntet. Ich wusste bis zum vergangenen Wochenende nicht, dass eine Bananenpflanze keinen Stamm besitzt. Was wir als Stamm wahrnehmen, sind in Wirklichkeit nur die Blätter, die sich während des Wachstums umeinander legen. Alle paar Tage bildet sich ein neues Blatt und bildet allmählich einen „Scheinstamm“. Nach ein paar Monaten bildet sich meist eine rote, nach unten hängende Blüte. Aus den Blüten entwickeln sich die Früchte. Die einzelnen Früchte wachsen zunächst wie die Blüte nach unten. Da sie sich aber an der Sonne orientieren, wenden sie sich während des Wachstums immer mehr zum Sonnenlicht, so dass sie krumm werden. Ich musste also erst nach Sri Lanka kommen, um endlich zu verstehen, warum die Banane krumm ist:)
Neben vielen Informationen über Bananen, habe ich auch etwas neues über die Ananas erfahren. Wer eine Ananas heranziehen möchte, der wirft beim nächsten Kauf einer Ananas den Blattschopf nicht weg, sondern pflanzt ihn am besten in ein mit vielen Kieselsteinen und Sanderde befülltes Tongefäß, stellt dieses an einen sonnigen und warmen Platz und schaut beim Gedeihen zu.. 
Meine gepflanzter Blattschopf steht nun auf dem Balkon und wird nach meiner zehntägigen Reise wohl schon etwas größer sein:)
Für mich heißt es nämlich am Freitag Rucksack packen (Regenschirm nicht vergessen, Sommerprasselregen am Start:), in den Zug steigen und zehn Tage lang ein paar andere Orte in Sri Lanka kennenlernen...

Da die Grillen gerade mal wieder in Höchstform zirpen, weiß ich, dass es langsam Zeit wird ins Bett zu gehen.
In diesem Sinne: 
Eine gute Nacht, liebe Grüße und auf dass für euch in Deutschland eeeendlich der Frühling einkehrt und ich euch bald wieder aus dem schönen Sri Lanka berichten kann!

Bis bald, Anne

P.S.: Sorry, aber irgendwie wollen meine Bilder nicht im Hochformat angezeigt werden..


Fotos: 

Ausflug nach Koggala


Ticketkauf am Schalter








Eisverkäufer







Übergabe der Materialien 


Holzperlenketten werden hergestellt



 

 Gesangs- und Tanzunterricht

Die ersten Spielversuche mit einem Harmonium

Der Musikprofi:)


Malki beim Tanzunterricht



 Kunstunterricht







Gartenarbeit bei der Gastfamilie


Premadasa und Dhammika


Bildunterschrift hinzufügen


 

Meine Freunde aus der Nachbarschaft, die sich wohl nicht so über den Regen gefreut haben wie ich:)