Montag, 13. April 2015

Zeit die wir uns nehmen, ist Zeit, die uns etwas gibt. - Ernst Ferstl

Zeit die wir uns nehmen, ist Zeit, die uns etwas gibt.

Ernst Ferstl

 

Liebe Leserinnen und Leser,

es fällt mir nicht leicht, diesen letzten Blog über meine Zeit in Sri Lanka zu schreiben. Es sagt mir, nun wirklich Abschied nehmen und loszulassen zu müssen- loszulassen von einem Land, das meine Heimat geworden ist. Ich habe mir nach dem Abitur Zeit genommen, um 6 Monate lang in eine neue Welt und neue Kultur einzutauchen. Ich habe mir niemals erträumt, dass mir diese Zeit so vieles geben wird. Ernst Ferstl hat Recht, wenn man sich Zeit nimmt, bekommt man so vieles zurück.

Ich erinnere mich noch zu gut an meinen ersten Schultag in der Class of Hope. Alles war neu und irgendwie fremd. Kurzzeitig dachte ich mir, wie soll ich diese Sprache und Arbeitsweise nur verstehen? Ich war spurlos überfordert und den Tränen nahe. Ich konnte mir niemals erdenken, dass ich an meinem letzten Tag in der Class of Hope in Tränen ausbrechen werde, da all diese Menschen, die mir anfangs so fremd waren, meine Freunde und Familie wurden. Ich habe mich dem Land angepasst, als wäre es mein Heimatland. Ich habe die Sprache gelernt, die sri lankische Küche durch tägliches Kochen kennengelernt, ihre Lebensweise übernommen und einfach ein Leben wie eine Singhalesin geführt. Der Schmerz ist groß, dies alles zurück zu lassen, aber ich werde diese Zeit, die so lehrreich war, niemals vergessen.
Ihr konntet 6 Monate lang meine Schritte in der Class of Hope verfolgen. Nun will ich euch noch einmal meine Letzten erzählen.

Bevor unser großes Konzert "Let Me Fly 2" anstand, bekam ich von Dhammika noch die Erlaubnis, ein wenig durchs Land zu Reisen. 
Seht selbst die große Vielfältigkeit des Landes, das es zu bieten hat. Es gibt nicht nur wunderschöne, paradiesische Strände, nein, im Hinterland findet man hohe Berglandschaften, meilenweite Teeplantagen und tierreiche Nationalparks. Eine abwechslungsreiche Natur, die man nur selten auf einer kleinen Insel findet, die nicht größer als Bayern ist.

Dambulla - dort sitzt die größte Buddhastatue der Welt mit 30m


Sigiriya - ein wunderschöner Ausblick auf den Sigiriyafelsen bei Sonnenuntergang


Auf der Straße trifft man schon mal den ein oder anderen vollbepackten barfussfahrenden Radfahrer an


Nicht unselten sieht man auch riesige Reismengen am Boden trocknen


Polonnaruwa - das UNESCO-Weltkulturerbe zeigt alte Tempel, Buddhastatuen und Park- und Palastanlagen



Gefährliche Überholmanöver auf den Straßen


Nuwara Eliya - Hier findet man unendliche immergrüne Teeplantagen


In einer Teefabrik wurde uns erklärt wie die Teeblätter gepflückt, anschließend getrocknet, zerkleinert und verpackt werden, um letztendlich in unserer Tasse zu landen.


Horton Plains - auf dem Weg zum World's End entdeckten wir die wunderschöne Natur des Nationalparks


World's End - ein Ausblick, der einem wirklich das Gefühl gibt ans Ende der Welt blicken zu können



Unterwegs mit dem Zug nach Ella - die wohl schönste Zugfahrt in ganz Sri Lanka!



Bereitwillig stellt sie sich für ein Foto zur Verfügung, um danach Geld von uns zu verlangen - die Singhalesen wissen eindeutig, wie sie an Geld kommen!


Ella - Little Adam's Peak - wunderschöne Berglandschaft die in einem kräftigen grün erscheint


Arugam Bay - wunderschöne Palmenstrände




Yala National Parc - da hat sich doch tatsächlich ein Elefant in unsre Nähe getraut


Und tatsächlich zwei Leoparden haben sich zu uns getraut, was leider eine große Seltenheit ist!



Wunderschöne Sonnenuntergänge
 Nach der kurzen Reise gings dann aber wieder zurück in die Schule, wo mich die Kinder und Lehrerinnen schon sehnlichst erwarteten. Ich wurde mit vielen strahlenden Gesichtern empfangen und schon war ich wieder in die ganze Proberei und Bastlerei mit eingebunden, als wäre ich nie weg gewesen.

Apsara mit Ishara, um die letzten Feinheiten auszufeilen


Ushman hat sich als toller Tanzpartner herausgestellt
Schneller als erwartet war dann unser großer Konzerttag auch schon da. Die Kinder wurden frisiert, geschminkt und von den Eltern für jeden einzelnen Tanz umgezogen, damit nicht nur die Tänze perfekt waren, sondern auch die Kostüme.
Jeder Einzelne gab sein Bestes und es ist so erstaunlich, wie gut sie sich alle Tanzschritte gemerkt haben. Es war eine große Leistung, denn sie mussten sich 14 verschiedene Tänze merken. Ich bin unglaublich stolz auf jeden Einzelnen. Auf den folgenden Fotos seht ihr ein paar von ihren Tänzen.

Mayomi bei ihrem großen Auftritt
Ambaruwo - hier verkörperten sie das Leben der Farmer in Sri Lanka
ein andächtiger Tanz in traditionellen Sarees and Sarongs
Can I have this dance - unsere Jungs forderten uns Lehrerinnen zum Tanz auf

ein Schultag in Schuluniformen

Ishara unsere Tanzkönigin - bei ihrem Strahlen kann ma sich nur anstecken lassen

eine Gasttänzerin ließ uns in den traditionellen Tanz Sri Lankas einblicken
Und schon war der letzte Tag mit der Class of Hope für mich zu Ende...viel zu schnell, um ehrlich zu sein. Um mich von allen zu verabschieden, hielt ich eine Rede in Sinhala, damit mich vor allem unsere Schüler und Eltern verstehen konnten, schließlich standen sie mir neben meiner Gastfamilie und Lehrerinnen während meiner Zeit am nähesten. 


Anschließend überreichte ich Dhammika einen großen Bilderrahmen mit vielen vielen Fotos von unserer gemeinsamen Zeit, den sie in der Class of Hope aufhängen können, um sich immer an unsere Zeit zu erinnern.



Auch die Kinder durften nicht leer ausgehen, schließlich haben sie eine großartige Leistung gezeigt und damit sie mich nicht ganz vergessen, bekam jeder ein Armband mit seinem Namen, eine Karte und ein paar Bilder, die ich in der Schule aufgenommen habe.



Zum Dank durfte ich sie noch mit dem landestypischen Segen segnen

Mir fiel der Abschied nicht einfach, als sich Schüler, Lehrer und Eltern von mir verabschiedeten.
Sri Lanka hat mich in seinen Bann gezogen, vor allem aber die Class of Hope. Dieses Projekt hat mir gezeigt, dass man wirklich Hoffnung haben darf, denn sie erblüht in prächtigen Farben, wenn man sich dafür einsetzt und daran glaubt, etwas erreichen zu können.

Abschied nehmen ist schwer, doch es heißt nicht, dass es für immer ist.

Mayomi sagte unter Tränen zu mir : "Geh nicht!"


Ich hatte eine wundervolle, lehrreiche und unvergessliche Zeit in dieser Schule. Nicht nur die Kinder haben vieles gelernt, nein, auch ich habe viel über mich und das Leben kennengelernt. Ich möchte mich bei jedem Einzelnen bedanken, der mir zu diesem Glück verholfen hat.

Meine Gastfamilie, die mir eine so wundervolle Zeit in ihrem Zuhause schenkten.


Danke an INGEAR, die mir diese großartige Chance nach dem Abitur als jüngste Freiwillige in Sri Lanka schenkten.

Danke an Dhammika und Premadasa, die mich in ihrer Familie aufgenommen haben und mich wie ihre eigene Tochter behütet und versorgt haben.
Danke an die Schüler und Lehrerinnen, die mit mir eine wundervolle Schulzeit mit vielen lustigen und lehrreichen Momenten teilten.
Danke an meine sri lankische und deutsche Familie, Freunde und Bekannte, die mich während meinem Aufenthalt unterstützen und mir immer das Gefühl gaben, niemals alleine zu sein.

Und natürlich ein riesengroßes Dankeschön an Sie, meine lieben Leserinnen und Leser, die mich während meinen 6 Monaten auf meinem Blog gespannt verfolgt haben.


“Die Kunst zu leben besteht vielleicht vor allem darin,
seinen eigenen Weg zu gehen und sich dabei die Offenheit zu bewahren,
immer neue Wege zu entdecken.”

Jochen Mariss



Nun werde ich offen meine neuen Wege gehen, doch ich werde immer an meine Zeit in Sri Lanka zurückdenken und mich daran erinnern, welche Erfahrungen ich mit auf den Weg nehmen durfte.
Vielen Dank für alles und ich wünsche jedem Einzelnen nur das Beste,

eure Veronika

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