Dienstag, 1. Januar 2013

Abschlussausflug und Resümee

Nach drei grossartigen und bereichernden Monaten in Sri Lanka bin ich vorgestern Abend wieder in Deutschland angekommen. In der Tat ist der Kulturschock der Rückkehr heftiger als der, den ich bei meiner Ankunft in Sri Lanka erlebt habe. Das kalte, graue Europa schlägt mir im Moment nicht nur auf die Psyche, sondern hat mir auch gleich eine zünftige Erkältung eingebracht. Ich werde mich aber nicht nur wieder an das alte Klima gewöhnen müssen, sondern auch an die strenge Mentalität der deutschen Leistungsgesellschaft.
In Sri Lanka laufen die Dinge doch wesentlich gemächlicher ab als hier. Zeit spielt eine sekundäre Rolle, Zusagen und Versprechungen haben einen eher unverbindlichen Charakter, genauso wie Bus- und Zugfahrpläne. Viele Europäer können diesem Lebensstil nichts abgewinnen, ich hingegen, der ich ein geduldiger und bequemer Mensch bin, konnte mich herrlich treiben lassen und erlebte auf meinen Reisen rund um die Insel trotzdem noch jede Menge Abenteuer. Die Arbeit in der Klasse gestaltete sich doch anders als ich es erwartet hatte. Ich habe den Computer-Unterricht betreut, mit den Schülern Ball gespielt, beim Mal- und Handarbeitsunterricht assistiert, organisatorisch mitgewirkt und war ansonsten der Mann für die Public Relations und -wie auch in der FSJ-Zeit- ein bisschen das Mädchen für alles. Lebenspraktisches Training hat in diesen drei Monaten allerdings kaum stattgefunden, nach und nach wurde der Musik- und Tanzunterricht immer zeitfüllender, weil die Schüler auf das kommende Konzert vorbereitet werden mussten.
Solche Events spielen in der sri-lankischen Schulkultur eine herausragende Rolle, insofern habe ich Verständnis. Gleichzeitig war ich auch enttäuscht, denn für mich gab es immer weniger zu tun und die Class-of-Hope, die sich ja gerade durch diesen lebenspraktischen Aspekt auszeichnen soll, erschien mir mehr wie eine gewöhnliche Sing- und Tanzschule für Behinderte. Aber ich möchte keinesfalls den Wert des Projekts oder der Arbeit, die dort geleistet wird, schmälern. Wenn es denn mal etwas zu tun gab, habe ich meine Stunden in der Class-of-Hope sehr genossen. Die Atmossphäre war ausgesprochen warm und zwanglos, es wurde viel gescherzt und gelacht, so dass auch ich, etwas steifer Geselle, zeitweise auftauen konnte.
Ich halte die Class-of-Hope für eine allgemeine Bereicherung, sowohl für die sri-lankische Gesellschaft , als auch für die Familien und natürlich in erster Linie für die Schüler selbst. Insbesondere die Älteren von ihnen, die lange Jahre sinnlos zu Hause vegetiert haben, bekamen endlich Beschäftigung und Lebensinhalt.
Nichtsdestotrotz hab ich gegenüber der Schulleiterin Dhammika, in deren Familie ich übrigens sehr herzlich aufgenommen wurde, den Wunsch geäussert, das lebenspraktische Training wieder stundenplanmäßig
stattfinden zu lassen und in Zukunft den Fokus verstärkt darauf zu richten.

In der Zeit nach dem Konzert/Ausstellung gab es kaum mehr Aktivitäten in der Klasse. Die Schulferien hatten bereits begonnen und es galt ein bisschen auszuruhen von den Strapazen der letzten Wochen.
Wir liessen es uns aber nicht nehmen, doch noch einen kleinen Ausflug zu machen, nämlich zu einem Wasserfall in der Nähe des Sinharaja-Regenwald-Nationalparks, etwa 60 Kilometer von Galle entfernt in den Ausläufern des Hochlandes. Leider waren nicht alle Schüler anwesend. Einige fehlten krankheitsbedingt oder hatten andere Verabredungen. Dafür packten die übrigen jeweils ihre halbe Sippschaft ein. Da wollte sich niemand etwas entgehen lassen. Dass die Singhalesen ein fröhliches und feierfreudiges Völkchen sind, durfte ich im Bus sowohl auf der Hin- als auch auf der Rückfahrt erleben.
 Auf verschlungenen und holprigen Serpetinen ging es in Richtung Wasserfall. Das hinderte die Ausflügler aber nicht daran, sich mit schriller singhalesischer Popmusik beschallen zu lassen und auf den engen Gängen ausgelassen zu feiern. Es wurde gesungen, geklatscht und im Takt der Musik das Tanzbein geschwungen. Auch ich liess mich mitreißen, musste nach einer gewissen Zeit aber passen, weil sich mir von dem Geschaukel im Bus der Magen umdrehte. Am Zielort angekommen stieg die ganze Mannschaft aus und wir erklommen die Treppen, die direkt am Wasserfall entlang nach oben führen, um die natürliche Schönheit dieses Ortes zu bestaunen. Entlang der Stufen befinden sich Leitungen, über die das Wasser nach unten in Schwimmbecken gelangt. Genau der richtige Ort, um sich nach dem Abstieg die klebrige Mittagsschwüle vom Leib zu waschen. Freundlicherweise wurde mir eine Badehose geliehen, so dass auch ich mich ins kühlende Nass stürzen konnte. Auch einige mitfahrende Damen nahmen ein Bad, allerdings nur die Jüngeren und selbstverständlich komplett bekleidet. Nichtsdestotrotz ein feuchtfröhliches Vergnügen für alle Bereiligten. Anschliessend aßen wir noch gemeinsam zu Mittag, der obligatorische Reis mit Curry verpackt in Bananenblättern, eine frugale Köstlichkeit. Es fing bereits an zu regnen, als wir wieder den Bus bestiegen und die Rückfahrt antraten. Nach kurzer Zeit waren wir in eine Regenwand gehüllt, starker Wind kam auf und die umliegenden Berge trugen einen Wolkenschleier. Davon liess sich aber niemand verdriessen, denn im Bus wurde erneut ausgiebig Stimmung gemacht. Erschöpft, aber glücklich erreichten wir Galle. Und nun hieß es Abschied nehmen. Dies war mein letzter Tag mit den Schülern und es war ein würdiger und krönender Abschluss meines Freiwilligendienstes. Ich bin sehr glücklich, dass ich mich dazu entschlossen habe, nach Sri Lanka zu kommen und an diesem Projekt mitzuwirken. Es war eine Horizonterweiterung ohne gleichen, von der ich bis an mein Lebensende profitieren werde. Dies soll mein vorletzter Eintrag in diesem Blog sein, in meinem letzten werde ich noch über meine Zeit bei Dhammikas Familie berichten. Trotzdem möchte ich mich schon einmal verabschieden, mich bei allen Verantwortlichen von InGeAr e.V, insbesondere Christoph Schmidtke, bedanken sowie bei Schülern und Lehrern der Class-of-Hope für die freundliche Aufnahme und last but not least: bei allen treuen Lesern meines Blogs. Und hier noch die Bilder:












                          

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